Dessau Waldersee – Chronik – Überblick


In die Walderseer Geschichte geblickt – eine kurze Chronik
1159
Ersterwähnung von Naundorf: Das Kloster Ballenstedt verkauft seine beiden slawischen Weiler Nimiz und Nauzedele an flämische Siedler. Diese bilden daraus ein Dorf namens Nyendorp (Naundorf). Sie teilen die Dorfflur in 24 Hufen (1 Hufe = ca. 9,2 ha). Die Flamen siedeln nach dem „ius flamingorum“, d.h. sie können frei über ihr Eigentum verfügen und haben Abgaben nur an die Kirche und an den Landesherren (Albrecht den Bären) zu entrichten.

1179
In einer Besitzurkunde Klosters Nienburg wird die Ortschaft Jonitz (wie auch der Marktort Pötnitz und Scholitz) erstmals urkundlich erwähnt.

1212
Die Wasserburg Waldeser an der Pelze wird erstmals urkundlich genannt. Sie besteht bis etwa 1341 und gibt später dem Ort Waldersee seinen Namen.

1339
Das Dorf Naundorf kommt in den Besitz der anhaltischen Fürsten.

1433
Der Rat der Stadt Dessau kauft die Mark Naundorf als Viehhutung für die Dessauer Bürger. Das Dorf Naundorf ist 1439 wüst.

1512
Fürst Ernst von Anhalt erwirbt das Dorf Jonitz von der Abtei Nienburg.

1549
In Jonitz bestehen lediglich acht Gehöfte.

1610
In Jonitz haben sich weitere 14 Familien angesiedelt. Der Ort besteht jetzt aus 22 Gehöften.

1615
Anlegung des Friedhofes in Jonitz. Der Friedhof wird 1806 und 1884 erweitert.

1636
Jonitz wird im Dreißigjährigen Krieg von durchziehenden Söldnern geplündert und gebrandschatzt. Weitere Plünderungen müssen die Bewohner 1637 und 1644 erdulden.

1707
Fürst Leopold von Anhalt-Dessau kauft die Mark Naundorf. Er richtet dort ein Vorwerk ein, das zur Keimzelle für ein neues Dorf Naundorf wird, und lässt einen Hochwasserschutzwall bauen, den sogenannten Schwedenwall.

1710-1720
Fürst Leopold lässt in Jonitz Baustellen an 31 neue Ansiedler austeilen. Auf der ehemaligen Nachthainichte zwischen jetziger Kirche und Wall entsteht Neu-Jonitz.

1722-1725
Bau der Jonitzer Kirche, ohne den heute charakteristischen Turm.

1729
Errichtung einer fürstlichen Wassermühle, der Jonitzer Mühle, am sogenannten Parnekel oder Berber. Die Mühle sollte vornehmlich für Mühlgäste aus Jonitz und den Gemeinden des Wörlitzer Winkels arbeiten.

1738
Fürst Leopold lässt in Naundorf acht Drescherhäuser errichten.

1746
Fürst Leopold kauft die beiden Bauerngüter Harßleben und Ließmann in Jonitz und vereinigt sie zu einem Freigut für seinen Sohn Prinz Moritz, Dessauer Straße 52. Das jetzt noch dort stehende ehemalige Pächterhaus wurde 1786 errichtet.

1753
Vom Fürstenhaus wird für den Erbprinzen, den späteren Fürsten Franz, der Vogelherd bei Jonitz erworben. Auf dem Gelände entstehen ein kleines Schlösschen und ein Garten mit Kegelbahn.

1757
In Jonitz wird eine neue Schule gebaut. Die alte Schule hatte etwa 100 Jahre bestanden.

1760, 26.10
König Friedrich II. von Preußen nimmt in Jonitz Quartier. Das Haus in der Rehsumpfstraße, in dem er wohnte, wird um 1890 abgerissen. An seiner Stelle entsteht das Ausflugslokal „Sanssouci“.

1763
Fürst Franz teilt das Vorwerk Naundorf in 22 neue Siedlerstellen auf. Die Bebauung reicht westlich bis zur alten Schmiede. Bis zum 1. Weltkrieg ändert sich das Ortsbild nicht wesentlich.

1765
Die Jonitzer Mühle wird an den Amtsverwalter Johann Friedrich Schlobach (1736-1816) verpachtet.

1771
Ein gewaltiges Sommerhochwasser überschwemmt Teile der Stadt Dessau und richtet auch in Jonitz und allen anderen Dörfern und Städten entlang der Mulde sowie im Wörlitzer Winkel große Zerstörungen an. Im neu angelegten Wörlitzer Park brechen die Deiche.

1774, 24.9.
Am 24. Geburtstag seiner Gemahlin Fürstin Luise (1750-1811) veranstaltet Fürst Franz auf dem Vogelherd (Luisium) ein theatralisches Fest. Im Grünen wird eine kleine Bühne errichtet. Theaterliebhaber führen das Singspiel „Elysium“ auf.

1775, 5.1.
Grundsteinlegung für das Schlösschen „Luisium“, zu dem F. W. v. Erdmannsdorff die Baupläne anfertigt. Die Pläne zur Gestaltung des Landschaftsgartens, der nach und nach rund um das Schloss entsteht, stammen vom Gartenbaumeister Johann Friedrich Eyserbeck (1734-1818). Die Anlage ist der ländliche Sitz der Gemahlin des Fürsten Franz, Fürstin Luise Henriette Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1750-1811). Am 4. September 1780, ihrem 30. Geburtstag, erhalten Gartenanlage und Landhaus nach ihrer Besitzerin die Bezeichnung „Luisium“.

1779, 12.4.
Johann Friedrich Schlobach kauft die Jonitzer Mühle für 2.000 Taler von Fürst Franz von Anhalt-Dessau und lässt sie 1780 von Grund auf neu erbauen. Die Mühle bleibt im Besitz der Familie Schlobach.

1779-1781
Das im neogotischen Stil errichtet Gestüt am Luisium entsteht.

1784/85
Nach Plänen von Georg Christoph Hesekiel wird das Schwedenhaus errichtet.

1811, 27.3.
Sämtliche Gebäude der Jonitzer Mühle werden durch eine Feuersbrunst zerstört, bald aber wieder aufgebaut.

1813
In Jonitz kommt es immer wieder zu Einquartierungen von französischen sowie von Truppen der antifranzösischen Koalition (Preußen, Russen, Schweden). Ende September 1813 kämpfen französische und preußische Truppen in und bei Jonitz in einem größeren Gefecht gegeneinander.

1816-1822
Wahrscheinlich nach einem Entwurf Carlo Ignazio Pozzis entsteht der Turm an der Pfarrkirche in Jonitz mit dem Obelisk. Er wird als Mausoleum für die Gemahlin des Fürsten Franz, Luise, errichtet. Zwischen dem Turm an der Jonitzer Kirche und dem Schloss Luisium besteht eine noch heute erlebbare Sichtbeziehung.

1817, 8.9.
Herzog Leopold Friedrich Franz (1840-1817) stirbt. Er wird zunächst auf dem „Neuen Begräbnisplatz“ (Historischer Friedhof) in Dessau, am 9. August 1822 aber, zusammen mit seiner Gattin Luise, in der neu erbauten Turmgruft der Jonitzer Kirche beigesetzt.

1818
In Naundorf gibt es 32 Häuser mit 244 Einwohnern, in Jonitz 72 Häuser mit 647 Bewohnern. 1818/19 wird in Naundorf eine Schule gebaut.

1825, 23.10
Wiederum brennt es in der Jonitzer Mühle. Die Graupen- und die Schneidemühle werden ein Opfer der Flammen.

1832
Der Besitzer des Gutes Naundorf, der Geheime Justizrat Ludwig von Albert, legt eine Gärtnerei und einen Park an, von dem heute nur noch Reste vorhanden sind. 1836 übernimmt die Familie von Bodenhausen das Gut. Vom ehemaligen Gutshaus ist nur noch der ehemalige Saalbau im Stil englischer Gotik von 1873 erhalten, der immer mehr verfällt.

1848, 11.3.
Revolutionszeit. In Jonitz wird eine Bürgerwehrkompanie aus Bewohnern der umliegenden Dörfer aufgestellt, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen soll. Diese Bürgerwehr wird am 7. Oktober 1850 aufgelöst.

1850
Marie von Raumer gründet eine Kleinkinderschule (Kindergarten) in Jonitz, die sich zwischen Schule und Kirche befindet.

1858
Gustav Adolf Schlobach baut eine Öl- und eine neue Schneidemühle. 1861 erneuert er die Grund- und Mühlenwerke, wodurch die Jonitzer Mühle zu einem angesehenen Großbetrieb heranwächst.

1864
Die Jonitzer Mühle gibt die Lohnmüllerei auf und wird eine reine Handelsmühle.

1865, 22.5.
Ein Großfeuer zerstört drei Gehöfte in Naundorf.

1870er Jahre
Bebauung der Land- und der Ziegeleistraße.

Gründung der Ziegelei Röpert (später Gottschalk) in der Ziegeleistraße.
Bei der Neuordnung des anhaltischen Forstwesens wird die Försterei in Jonitz aufgehoben (als Forsthaus dient nun die Gärtnerwohnung im Luisium). Das ehemalige Forsthaus am Rehsumpf wird zur Gastwirtschaft (zunächst „Zum Forsthaus“, dann „Bellevue“ und „Café Peter“).

1874
Gründung der Ziegelei Meißner (später LPG) in der Ziegeleistraße. Östlich des Luisiums entsteht mit der Ziegelei Rathmann eine dritte Ziegelei.

1881, 12.10.
Schulneubau in Jonitz, in dem sich zwei Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen befinden. Die sogenannte „Neue Schule“ an der Kirche muss mehrfach (z.B. 1897, 1915) erweitert werden.

1883, 1.7.
Ein Großbrand legt fast sämtliche Gebäude der Jonitzer Mühle (Firma Eugen Schlobach & Co.) in Schutt und Asche. Lediglich das Wohnhaus und ein Speichergebäude bleiben verschont. Der Wiederaufbau beginnt sofort. Schon im Dezember 1883 wird der Mühlenbetrieb wieder aufgenommen. Die Mühle besteht jetzt aus Weizen-, Roggen-, Gries- und Graupenmühle.

1889
Gründung eines Pfeifen-Clubs „Jonitz“, der aber nur wenige Jahre besteht.
Gründung des Turn-Vereins „Frisch auf“ Jonitz. 1892 wird ein „Deutscher Turn-Verein zu Naundorf“ gegründet.

1890
Das Ausflugslokal „Sanssouci“ in Jonitz wird modernisiert, erheblich vergrößert und mit einem großen Tanzsaal versehen.

1892, 9.10.
Einweihung eines neuen Gebäudes für die Kleinkinderschule in Jonitz. Die Einrichtung wird von rund 80 Kindern besucht.

1893
Jonitz bekommt einen Bahnanschluss und einen Bahnhof (Dessau-Wörlitzer Eisenbahn).

1894, 1.4.
In Jonitz wird eine Postagentur eröffnet.

1895
Die fortlaufende Nummerierung der Grundstücke in Jonitz wird aufgegeben. Es werden sieben Straßen benannt: Bahnhofstraße (heute Rehsumpfstraße), Ziegeleistraße, Dessauer Straße, Franzstraße (heute Goltewitzer Straße), Wallstraße (heute Vockeroder Straße), Landstraße, Mittelstraße (heute Coswiger Straße).

1897, 29.7.
Für den Amtsbezirk Jonitz wird eine Straßen-Polizei-Ordnung erlassen.

1897
Der Restaurantbesitzer Carl Steinbiß erwirbt in Bernburg zwei Bären als Attraktion für sein Ausflugslokal „Sanssouci“ in Jonitz. Die Bären erfreuen viele Jahre lang die Besucher des Lokals.

1899, 1.11.
In Jonitz leuchten die 13 Straßenlaternen (Gaslaternen der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft).

1899
Mit der Dessauer, der Franz- und der Landstraße werden die ersten drei Straßen in Jonitz gepflastert.

1900, 1.12.
In Jonitz leben 1.325 Einwohner, in Naundorf 412.

um 1900
In Jonitz und Naundorf bestehen eine ganze Reihe von Vereinen, u.a.: Turnverein „Frisch auf“ Jonitz, Kriegerverein Jonitz, Schießverein „Adler“ Jonitz, Deutscher Turnverein zu Naundorf, Schießverein „Freischütz“ Jonitz, Turnverein „Walhalla“ Jonitz, Gesang-Verein „Mignon“ Jonitz, Obst- und Gartenbauverein für Jonitz und Umgegend, Vergnügungsverein „Fidelitas“ Jonitz. Als Vereinslokale stehen zur Verfügung: „Grüner Baum“ Jonitz, Café „Bellevue“ Jonitz, Café „Dessau“ Jonitz, „Sanssouci“ Jonitz, „Zum Deutschen Kaiser“ Jonitz, Exners Restaurant Jonitz, Meißnersche Restauration Naundorf, Hoffmannscher Gasthof Naundorf.

1901
Der Lehmkietenteich an der heutigen Rehsumpfstraße wird größtenteils zugeschüttet, um Industriegelände zu gewinnen. Dort arbeiten nacheinander u.a. die Gasapparatefabrik Jonitza, die Lackfabrik Otto Scheid, die Anhaltische Fahrzeugfabrik Robert Krause, der Zuckerbäcker Otto Flemming, die Überlandzentrale Sachsen-Anhalt und ab 1950 das Elektromotorenwerk.

1906, 22.12.
Ein Getreidespeicher (ehemalige Graupenmühle) der Jonitzer Mühle mit 12.000 Zentnern Weizen brennt völlig aus. An seiner Stelle wird das noch heute stehende Stahlbetonsilo errichtet.

1907, 17.4.
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Jonitz.

1910
Ein Turbinenhaus mit zwei Turbinen von 350 PS Leistung ersetzt die vier alten unterschlächtigen Mühlenräder der Jonitzer Mühle.

1912
Im Garten vom „Charlottenhof“ wird eine Radrennbahn eingerichtet, die einige Jahre lang eine starke Anziehungskraft hat.

1914-1918
47 Jonitzer und Naundorfer müssen ihr Leben an den Fronten des 1. Weltkrieges lassen.

1926
Die Gemeinde Naundorf pachtet eine Wiese an der ehemaligen Fischerhütte am Löbben und überlässt sie dem Turnverein. Dieser baut hier eine kleine, idyllische Badeanstalt.

1930, 30.4./1.5.
Teilweise gegen ihren Widerstand werden die rechtsmuldischen Dörfer Jonitz, Naundorf, Pötnitz, Scholitz und Dellnau nach Dessau eingemeindet. Diese Eingemeindung wird am 13. April 1933 wieder rückgängig gemacht.

1933, 13.4.
Erlass des Gesetzes zur Neubildung der Kreise. Die Stadt Dessau scheidet aus dem Kreisverband Dessau-Köthen aus und wird kreisfrei. Jonitz und Naundorf sowie Dellnau, Pötnitz und Scholitz werden wieder aus Dessau ausgemeindet.

1933, 30.6.
In Jonitz leben 1.746 Einwohner, in Naundorf 513.

1935, 1.4.
Jonitz und Naundorf werden zur Großgemeinde vereinigt, die am 31. Juli 1935 offiziell den Namen Waldersee erhält.

1935-1938
Bau der Junkerssiedlung. Die Siedlung wird am 16. Oktober 1938 offiziell eingeweiht.

1939, 21.6.
Feierliche Einweihung des neuen Walderseer Rathauses in der Horstdorfer Straße, in dem sich auch ein Postamt befindet.

1939-1945
Im 2. Weltkrieg fallen 130 Walderseer.

1943
Waldersee erhält einen eigenen Pfarrer. Zuvor war die Walderseer Kirche ein Filial der Kirche in Pötnitz/Mildensee.

1945, 10.4.
Der Volkssturm wird einberufen und in Waldersee kaserniert. Ab dem 21. April wird er aktiv eingesetzt.

1945, 21./22.4.
Waldersee liegt unter schwerem Beschuss amerikanischer Truppen. Der Beschuss richtet erhebliche Schäden im Ort an. In den letzten Kriegstagen sterben noch 15 Walderseer. Am 22. April 1945 nimmt Bürgermeister Karl auf Drängen der Bevölkerung Kapitulationsverhandlungen mit den Amerikanern auf, die den Beschuss einstellen und den Ort am 23. April 1945 besetzen.

1945, 4.5.
Nach Abzug der Amerikaner besetzt die Rote Armee Waldersee.

1945, 1.11.
Waldersee und Mildensee werden erneut nach Dessau eingemeindet.

1946, Januar
In Waldersee leben neben den Ortsansässigen noch 708 aus Dessau Evakuierte und 1.049 Umsiedler.

1947
Mittels eines 200 m langen Durchstiches wird eine große Schleife der Jonitzer Mulde, der sogenannte Diebeswinkel, abgeschnitten und auf diese Weise der Jonitzer Mühle ein ungehinderter Wasserzufluss gesichert.

1948, 29.8.
Mit einem Sportfest und einem Fußballspiel gegen Mildensee wird der Sportplatz auf dem Anger in Waldersee eingeweiht. Der hier ehemals vorhanden gewesene Sportplatz war dem Kiesabbau zum Opfer gefallen.

1948, November
Nach einjähriger Bauzeit kann ein neues, behelfsmäßiges Schulgebäude (eine Baracke mit sieben Räumen) an der Kirche eingeweiht werden.

1950, April
Im Luisium (Orangerie) wird eine Tbc-Tagesheilstätte eröffnet, die aber nur wenige Jahre besteht.

1953, 5.5.
Gründung der LPG „Neues Leben“ Waldersee – eine der ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in Dessau.

1953, Juni
Im Schloss Luisium wird ein Museum der Gartenkunst mit Kunstwerken der Anhaltischen Gemäldegalerie eröffnet.

1953
Das Elektromotorenwerk Dessau übernimmt das Betriebsgelände der Energiebetriebe Halle (hier befand sich ehemals die Gaststätte „Sanssouci“) und richtet hier den Zweigbetrieb Elmo Waldersee ein.

1954, Juli
Ein gewaltiges Hochwasser von Mulde und Elbe droht die Dämme in Waldersee und Mildensee zu durchbrechen. Die Einwohner dieser Dörfer müssen evakuiert werden. Es gelingt aber, trotz eines Elbepegels von 6,01 m und eines Muldepegels von 5,84 m, unter gemeinsamer großer Anstrengung, die Dämme zu halten.

1959, 4.-6.9.
800-Jahrfeier in Waldersee (1159 Gründung von Naundorf) mit einem großen Festumzug.

1960, 1.10.
Das ehemalige Café Peter am Rehsumpf wird als Klubhaus der Werktätigen wiedereröffnet.

1964, 25.8.
Schlüsselübergabe für den von der Baufirma Strunck KG errichteten Schulneubau in der Wilhelm-Feuerherdt-Straße (heutige „Grundschule am Luisium“). Die Schule erhält als 19. POS in Dessau den Namen „Erich-Weinert-Oberschule“.

1970. 8.8.
In der ehemaligen Orangerie des Luisiums eröffnet die neue Parkgaststätte „Luisium“. Die Gaststätte wird unter der Regie der Konsumgenossenschaft Dessau betrieben.

1971, 5.7.
Großbrand der Jonitzer Mühle. Die Brandbekämpfung dauert mehrere Tage. Glutnester schwelen noch lange Zeit. Die Mühle arbeitet danach nur noch als Schrotmühle für Brauereien. 1984 wird sie stillgelegt.

1973, 3.2.
Im Saal des ehemaligen Klubhauses „Waldeser“ eröffnet Präsident Jürgen v. d. Heydt die 1. Sitzung des „Waldeser Carneval Club 1972 Dessau e.V.“ (WCC).

1973, 9.2.
Feierliche Einweihung der auf dem Schulhof der „Erich-Weinert-Oberschule“ gebauten Lehrschwimmhalle. Am Bau der Schwimmhalle haben auf Initiative der damaligen Direktorin, Frau Stenz, zahlreiche Walderseer Eltern, Schüler und Lehrer in 14.000 Stunden freiwilliger Arbeit mitgewirkt. Das Schwimmbecken ist 6,5 x 12 m groß.

1974, 9.12.
Tagelange Regenfälle haben Mulde und Elbe so stark ansteigen lassen, dass eine Hochwasserkatastrophe droht. In Mildensee und Waldersee müssen wiederum Einwohner evakuiert werden. Teilweise ist der Wasserpegel noch um einige Zentimeter höher als 1954. Mittels Sandsäcken stabilisieren Hunderte freiwillige Helfer die gefährdeten Deiche und wenden so die mögliche Katastrophe ab.

1975
Es bildet sich eine „Interessengemeinschaft Waldersee“, die in den nächsten Jahren viele Kilometer Wasserleitungen für den Anschluss Waldersees an das städtische Wasserleitungsnetz verlegt.

1981
Der Aufbau der Kleingartensparte „Am Luisium“ beginnt.

1982
Das Schwedenhaus (früher „Gustav Adolf“), schon seit einiger Zeit nicht mehr als Ausflugslokal bewirtschaftet, brennt ab. Das von Wilhelm Doell geschaffene Relief, das den Schwedenkönig Gustav II. Adolf zu Pferde darstellt, bleibt erhalten, steht noch einige Jahre an Ort und Stelle und wird dann von der Denkmalpflegebehörde sichergestellt.

1994, 29.10.
Übergabe der neuen, größeren Jonitzer Brücke an die Nutzer. Der Abriss der alten Brücke erfolgte im August/September 1993.

1994, 26.11.
Kleine sportliche Sensation: In einem Spiel der 4. Runde des Fußball-Landespokals wächst die 1. Mannschaft der SG Empor Waldersee über sich hinaus und wirft den Oberligisten Hallescher FC mit einem Sieg im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb.

1995, 25.5.
Eröffnung des Wohn- und Geschäftszentrums „Luisiums-Eck“.

1996-1997
Rekonstruktion des Wehrs an der Jonitzer Mühle.

1997, 19.11.
Offizielle Verkehrsfreigabe der Straße Am Wall, die nun vollständig rekonstruiert und mit Fuß- bzw. Radwegen versehen ist.

1998, 24.9.
Schloss Luisium, ein Kleinod des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, kann nach mehrjährigen schwierigen Sanierungsarbeiten wieder besichtigt werden. Am offiziellen Eröffnungsfestakt nehmen auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner und Anton Pfeifer, Staatsminister im Bundeskanzleramt, teil.

2002, 13.8.
Nach tagelangen intensiven Regenfällen Ende Juli/Anfang August bewegen sich bedrohliche Hochwasserwellen von Mulde und Elbe auf Dessau zu. Bürgermeister Jürgen Kessing ruft den Katastrophenalarm für das Stadtgebiet Dessau aus und ordnet die Evakuierung von der Stadtteile Mildensee, Waldersee und Wasserstadt an. Tausende freiwillige Helfer aus allen Teilen der Bundesrepublik sowie Einsatzkräfte von Bundeswehr, Bundesgrenzschutz, Polizei, THW, Feuerwehren, DRK usw. bemühen sich in den folgenden Tagen und Nächten, die an vielen Stellen stark bedrohten Hochwasserschutzanlagen zu halten. Der Ortschaftsrat, die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und viele, viele Walderseer leisten Großartiges und setzen sich unermüdlich im Kampf gegen das Hochwasser ein. Der Pegel der Mulde erreicht einen Höchststand von 6,25 m, die Elbe steigt bis auf 7,16 m.

2002, 18.8.
Der Schwedenwall im Osten von Waldersee hält den Wassermassen nicht mehr stand und bricht an einer Stelle. Schnell erweitert sich die Bruchstelle bis auf etwa 70 m. Der Stadtteil Waldersee wird überflutet. Im Ort steht das Wasser teilweise über zwei Meter hoch. Nur sehr langsam läuft das Wasser wieder ab. Erst am 23. August können die Walderseer kurzzeitig in ihren an einigen Stellen noch immer überfluteten Ort zurückkehren. Überall bietet sich ihnen ein Bild größter Zerstörungen und Schäden. Gleichzeitig erhalten die Walderseer aber von überall her zahlreiche Sach- und Geldspenden, praktische Hilfe sowie Trost und Zuwendung, die ihnen Mut machen, die Schäden zu beseitigen und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Nach 32 Tagen, am 13.9., wird der Katastrophenalarm für Dessau aufgehoben.

2003, 19.5.
Sachsen-Anhalts Umweltministerin Petra Wernicke gibt mit einem ersten Spatenstich in Waldersee den offiziellen symbolischen Startschuss für die Sanierung der Deich- und Hochwasserschutzanlagen in ganz Dessau.

2003, 17.08. – 19.08.
1. Walderseefest nach der Jahrhundertflut. Alle Walderseer bedankten sich mit diesem Fest bei den zahlreichen Helfern und Hilfsorganisationen, die uns in der akuten Not, aber auch lange Zeit danach nicht im Stich gelassen hatten.

Es stand unter dem Motto:
„Wir sind wieder aufgetaucht!“



Quelle: Dr. Frank Kreißler; Stadtarchiv