Dessau Waldersee – Jonitzer Mühle – Rückblick


1729 erbaute Fürst Leopold von Anhalt aus landesväterlicher Fürsorge für die Gemeinden Oranienbaum, Wörlitz, Kakau, Horstdorf, Gohrau, Rehsen, Riesigk und Vockerode am Jonitzer Mühlarm, den sogenannten Penekel oder Berber, eine Wassermühle, die Jonitzer Mühle. Sie war anfangs herrschaftlich, wie fast alle Mühlen im Land.
Jonitzer Mühle: 1825 - 1861, bisher ältestes bekanntes Bild
Der Mühlenverwalter wurde vom fürstlichen Amt in Eid und Pflicht genommen, treu und redlich zu sein, insbesondere die Mühlgäste „friedlich“ zu behandeln. Dagegen wurde den Bewohnern der obengenannten Städte und Dörfer durch ein fürstliches Patent, das von Ort zu Ort ging und von den Hausvorständen unterschrieben werden musste, auferlegt, den Befehlen und Anordnungen des fürstlichen Mühlenverwalters „steif und fest“ nach zu kommen.
Als Mahlgeld war außer der Metze für 1 Scheffel Weizen 3 Pfennig, für ein Scheffel Korn und Gerste 1 Pfennig zu zahlen (1 Scheffel = 40 – 50 kg).

Zu Neujahr 1747 verpachtete der Fürst kurz vor seinem Tode die Jonitzer Mühle, die Kapenmühle und die Wörlitzer Mühle für jährlich 1050 Taler auf 3 Jahre an die Müllermeister Christoph Walter und Sigmund Seidel. Im Jahre 1751 stand der Jonitzer Mühle wieder ein fürstlicher Mühlenverwalter vor, er hieß Johann Christian Stöps. Dann wurde sie wieder verpachtet. Pächter wurde 1765 der Amtsverwalter Johann Friedrich Schlobach. Seitdem ist der Name Schlobach mit der Geschichte der Jonitzer Mühle eng verbunden.

Jonitzer Mühle nach1893: Ein Großbrand hatte 1883 zur Zerstörung geführt.J. F. Schlobach entstammte einer alten Müllerfamilie aus der Dübener Heide und kaufte die Jonitzer Mühle 1779 vom Fürsten Franz. Hauptgeschäftsfelder des Betriebes waren neben der Getreidemüllerei und Landwirtschaft, auch Fischerei und zeitlich weniger dauerhaft, Ölmüllerei und Sägerei.

Als Eigentümer folgten Ephraim Leopold Schlobach, Heinrich Friedrich Schlobach, Gustav Adolf Schlobach, Carl Eugen Schlobach, Max Otto Schlobach, Carl Oskar Schlobach.

Im Verlaufe dieser Zeit hatten eine Fülle Schadereignissen die Mühle getroffen, häufige Hochwasser etwa oder verheerende Brände. Die zwangsläufigen Erneuerungen wurden gut genutzt, sodass zum Zeitpunkt des Todes von Oskar Schlobach 1944 ein hochmoderner, sehr leistungsfähiger Betrieb bestand, mit 3 getrennten Mühlen, Turbinenantrieb, Hilfsdampfmaschine und zentralem Heizkessel, automatischer Feuerlöschanlage, Anschlussgleis und dgl..

Nach Oskar Schlobachs Tod führte eine Familienkapitalgesellschaft die Geschäfte. 1954 übernahm Gerhard Zühlke, der älteste Sohn von Katharina Zühlke, geb. Schlobach (Tochter Oskar Schlobachs) die Firmenleitung. Ihn trafen vor allem die großen Hochwässer 1954 und 1974, die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, Restriktionen für den laufenden Mühlenbetrieb, die Brandkatastrophe 1971 (Mühlproduktionsgebäude als Ruine bis heute), die staatliche Verhinderung des Wiederaufbaues und schließlich die Enteignung 1972. Er leitete den Betrieb zur Herstellung von Brauschrot noch bis 1981, verließ dann mit seiner Familie die Mühle und die Heimat.
1983 stellte der volkseigene Mühlenbetrieb die letzte Produktion ein, das Grundstück wurde willkürlich geteilt und anderen volkseigenen Nutzern zugeschrieben.

Nach der politischen Kapitulation der DDR 1989 stellte Gerhard Zühlke mit seinen Söhnen Eberhard und Rüdiger Antrag auf Reprivatisierung. Nach langem Kampf wurde ein Teil der Grundstücke 1993 rückübertragen und es gelang, einige Teile des früheren Eigentums zurück zu kaufen.

Eberhard und Rüdiger Zühlke haben bisher nötige Sicherungs- und Erschließungsmaßnahmen durchgeführt, das Grundstück und die Brandruine beräumt, Räume, Gebäude und Flächen hergerichtet und vermietet, einen acht Jahre dauernden Kampf um die Nutzung des Muldewassers geführt und 1999 die wasserrechtliche Bewilligung zum Betrieb von 2 Francisturbinen erhalten.
Seit Juli 2000 läuft die neue Wasserkraftanlage, erzeugt Strom für 400 Haushalte, das Grundstück hat wieder eine eigene Trafostation.
Die noch vorhandenen Baulichkeiten waren Zweckbauten für ihre damalige Nutzung und es sind so viele und in einer Dimension, das Perspektiven, die den Ganzen dienen, schwer zu finden sind. Es wird noch viel Wasser die Mulde herunterfließen müssen, die Spuren unsinniger Verwaltungsvorschriften zu verwischen.
In der Gartentür, zur Straße hin, flankiert von 2 Mühlsteinen steht er geschrieben,
der Müllergruß,

„Glück zu“

Quellen: Archivarien der Jonitzer Mühle, persönliche Erlebnisse/Kenntnisse von Rüdiger Zühlke